Sprachgruppe: Pintupi
Region: Kintore
Dreaming: Tingari
Thomas Tjapaltjarri wurde ungefähr 1955 in der Gibson Wüste östlich
von Kiwirrkurra in West Australien geboren und gehört der Sprachgruppe
der Pintubi an.
Thomas (bekannt als Tamlik) lebte mit seiner Familie - Warlimpirrnga,
Walala, Yari Yari (Brüder) und Yardi, Yikultji und Tjakaraia (Schwestern)
als den Müttern (Nanyanu und Papalanyanu) ein vollkommen nomadisches Leben
in der Wüste bis Ende 1984. Die Familie bestand aus vier Brüdern, drei Schwestern
und zwei Müttern. Ende 1984 verließ Thomas gemeinsam mit acht anderen Verwandten
des Pintubi Tribes die Wüste im Westen Australiens und hatte seine erste Begegnung
mit "weißen" Siedlern Australiens. In internationalen Schlagzeilen wurden er und
seine Familie bekannt unter dem Namen "Der verlorene Stamm" (The Lost Tribe).
Die beiden Mütter, deren Alter man auf Mitte bis Ende 30 schätzte, führten ihre
Kinder, die sich hauptsächlich im Teenageralter befanden, aus der Wüste heraus
auf der Suche nach ihren Verwandten, die bereits 20 Jahre zuvor die Gegend
verlassen hatten, um in der Nähe von Alice Springs in einer staatlichen
Siedlung zu leben, da sie für ihre Söhne Ehefrauen suchten mussten. Bei
Kiwirrkurra trafen sie auf andere Familienmitglieder.
Bis zu diesem Zeitpunkt lebten Thomas und seine Familie das traditionelle
Nomadenleben einer Jäger- und Sammlergesellschaft. Die Pintupi waren ein
Nomadenvolk, die über unglaubliche Entfernungen wanderten. Sie reisten
westlich von Lake Mackey in Westaustralien bis östlich von Kintore
im Northern Territory. Ihre genauen Kenntnisse des Landes, der Flora,
Fauna und der Wasserlöcher, erlaubte es ihnen zu überleben, so wie ihre
Vorfahren seit Tausenden von Jahren. Das traditionelle Land von Thomas
liegt in der Nähe des Lake Mackay. Seine Familie verbrachte an bestimmten
Orten ihre Zeit; signifikante Plätze waren unter anderem Marua, Minatarni,
Tarrku, Njami und Yarrawangu als auch ebenso Mina Mina, eine besondere
zeremonielle Stätte der Frauen.
Thomas lebte mit seiner Familie in absoluter Isolation von der weißen
Welt bis 1984, und wenn wir heute Gemälde von Thomas sehen, dann müssen
wir uns bewusst werden, dass eine jede Arbeit ein Stück Zeitgeschichte ist.
Wir selbst dürfen Zeugen sein von der auf seinen Arbeiten dargestellten
intakten Dreamings und Überlieferungen, die mündlich über Zehntausende von
Jahren übermittelt wurden.
Thomas begann durch den Einfluss seines Bruders Warlimpirrnga zu malen.
Seine bemerkenswerten Gemälde zeigen geometrische Designs, die physische
Landschaft darstellen und den Tingari Zyklus beschreiben.
Tingari's sind Ahnen der Pintubi, die durch die Wüste zogen, Zeremonien
abhielten und rituelle Plätze schufen.
Das tiefe Wissen des Wirkens der Tingari ist ausschliesslich auf Männer
begrenzt, die einen bestimmten Rang in der Gesellschaft der Pintubis haben.
Es gibt jedoch einige öffentliche Versionen, die das Geheime nicht enthüllen.
Das Kernland der Tingari liegt im Gibson Desert. Drei große Reise-Linien der
Tingaris sind bekannt. *
Eine Route beginnt westlich von Jupiter Well, verläuft östlich und endet
süd-östlich von Lake Mackay. Die zweite Route beginnt in Walungurru,
verläuft ca. 200 km südwestlich von Kintore und führt zurück zum Lake
MacDonald. Die dritte Route erstreckt sich von Süden nach Norden durch
Kaltukatjara (Docker River) nach Kintore. Die mündlichen Erzählungen,
die die Abenteuer der Tingari an diesen Strecken beschreiben, finden sich
in zahlreichen Liederzyklen wieder. Sie enthalten auch Beschreibungen der
Landschaft, die den Pintubis halfen und helfen in dieser unwirtlichen
Gegend zu überleben.
* Myers, Bundesrepublik. (1986) Pintupi Land, Pintupi Selbst: Gefühl, Platz und Politik unter westlichen Wüste Ureinwohnern. Univ. Kalifornien Druck.


